Sunday, May 29, 2011

[Rezension] Streetex - Von dort

Ich weiß später nicht mehr, wie viel Zeit wir schweigend nebeneinandergestanden haben; plötzlich höre ich mich sagen: Timo hat seinem Leben viel zu früh ein Ende gesetzt.“
Charlie nickt. „Ja, aber vielleicht ist Timos Tod der Aufruf an uns, etwas Neues zu beginnen?“

Inhalt
Als Freddys einziger und bester Freund Timo aus dem Internat für Schwererziehbare Selbstmord begeht und Freddys strenger, ihn oft schlagender Vater ihn dafür die Schuld gibt und will, dass er eine Lehre bei ihm anfängt, ist für ihn klar: Er möchte abhauen. Und er tut es auch, mit ein paar Habseligkeiten und seiner Gitarre bestückt versucht er ein neues Leben anzufangen. Alex, ein Betreiber des Jugendfreizeitheims „Farbhand“ bietet ihm an, kurz in dem Heim zu wohnen. Freddy ist nicht der einzige in dem Jugendfreizeitheim, schon bald findet er neue Freunde, alle mit ganz verschiedenen, persönlichen Krisen. Und schon bald finden sie ein neues Mittel, um ihre Probleme zu vergessen: Sie machen gemeinsam Musik.

Meine Meinung
Es gibt mehrere Bücher, in denen Jugendliche (meist von zu Hause) abhauen, doch dieses Buch war anders. Sehr gut hat mir dieses Hauptthema des Buches gefallen: Musik. Es war schön, zu lesen wie viele verschiedene Jugendliche (alle mit verschiedenen persönlichen Problemen) zusammen und näher gekommen sind, indem sie zusammen Musik gemacht haben. In gewisser Weise hat sie die Jugendlichen auch geheilt. Obwohl das Cover meiner Meinung nach wie ein Kinderbuch aussieht, ist es keines. Es werden mehrere ernste Themen angesprochen, wie Drogen, Selbstmord, vernachlässigte Kinder, schlagende Eltern und Selbstverletzung.

Als Alex Freddy am Anfang fragt, was er will, kommt Freddy noch als einer dieser verbissenen Jugendliche rüber, die einfach gegen alles sind, was ihre Eltern wollen, denn Freddy weiß keine Antwort auf die Frage. Doch im Laufe des Buches werden einem Freddys Gedanken und Gefühle immer näher gebracht und es wird klar, dass Freddy nicht einfach seinen Vater (wie am Anfang des Buches, als er sich Dreadlocks machen lässt) ärgern möchte, sondern schon viel zu lange darauf gewartet hat, ein neues Leben anzufangen. Seine neuen Freunde und die Musik, die alle zusammenhält, helfen ihm dabei und ebenso eine Person, von der er es früher nie erwartet hätte.

Ich hätte das Buch noch besser gefunden, hätte es noch ein paar Szenen aus der Vergangenheit gezeigt, ebenso mehr aus dem Internat für Schwererziehbare. Zum Beispiel waren für mich die Fragen interessant: Was unterscheidet das Internat von normalen Internaten? Und: Konkret, wie war das Familienleben? Hatte Freddy früher Angst vor seinem schlagenden Vater? Nicht so gefallen hat mir ebenso der Titel. Der Begriff „von dort“ kommt zwar einmal im Buch vor, „Streetex“ jedoch wenn ich richtig liege, nicht.
Schade fand ich auch, dass es zum Ende des Buches immer mehr Zeitsprünge gab. Natürlichen muss es manchmal diese Sprünge geben, damit das Geschehen nicht zu langweilig wird, jedoch waren es meiner Meinung nach zu viele und manchmal hat mich ein Sprung auch ein wenig enttäuscht. Zum Beispiel war ich neugierig auf dieses eine Treffen (um nicht zu „spoilern“, verrate ich nicht zwischen wem), doch dieses wurde einfach übersprungen.


Sehr gefallen haben mir jedoch die selbstgeschriebenen (!) Songtexte, ebenso der lockere Schreibstil, der zwar manchmal noch ein bisschen holperig ist, jedoch passend wie aus dem Alltag erscheint. Darüber hinaus, ist der Inhalt von „Streetex“ tiefgründiger als gedacht. Die Facetten des Buches sind genauso verschieden wie all die Jugendlichen der „Farbhand“. Mal traurig, lustig, hoffnungsvoll, verzweifelt, wütend oder glücklich – mit all diesen Worten kann man das Buch beschreiben.
Es hat von mir drei gute Sterne von fünf verdient.


Zur Autorin

Allgemeines
Seitenzahl: 177
Verlag: Papierfresserchens MTM-Verlag
Empfohlenes Alter: 12-15
ISBN: 9783861960454


1 comment:

  1. Hätte ja niiiie gedacht, dass das Buch so gut sein könnte, muss ich ehrlich sagen...*hust*
    Danke für die schöne Rezi, Lottchen <3

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