Sie seufzte
und schluchzte dann lauter. Ganz tief in ihr wurde ihr bewusst, dass es niemals
zu Ende wäre. Nie würde sie dünn genug sein. Immer würde sie weitermachen wollen,
mehr abnehmen wollen. Sie würde sich selbst nie gut genug finden für diese
Welt. Sie würde niemals mit ihrer Diät aufhören können.
Inhalt
Anne findet sich zu hässlich und dick. Um endlich
anstelle ihrer Schwester von ihrer Mutter beachtet zu werden und um aus dem
Schatten ihrer schlanken, hübschen Freundin Amaryllis zu treten, setzt sie sich
ein Ziel. Abnehmen. 47 Kilo strebt sie an, ein wie sie glaubt, langer Weg. Doch
der Weg ist nicht nur lang, sondern auch schwierig. Anne muss mit inneren Konflikten
kämpfen, Essen wird ihr schlimmster Feind und Abführmittel ihre besten Freunde.
Plötzlich gehören auch Missverständnisse und ständige Lügen zu Annes Alltag.
Als sie die 47 Kilo erreicht, hat sie schon längst ein neues Ziel vor Augen:
Weiter abnehmen …
Meinung
Ich habe schon mehrere Kurzgeschichten zum Thema
Magersucht gelesen und alle waren relativ gleich. „Hunger nach weniger“ war
mein erster Roman über dieses schwierige Thema. Als erstes war ich wirklich
ziemlich skeptisch. Würde es wieder solch ein „Durchschnittsproblembuch“
werden, in dem alles schon so gut wie vorhersehbar ist? Ich muss zugeben, es
gab Dinge, die im Buch vorhersehbar waren. Und trotzdem hat mich das Buch überzeugt.
Als erstes hatte ich jedoch Probleme, mich richtig in die
Geschichte einzufinden. Das Buch basiert auf Jessica Antonis‘ persönlichen
Erfahrungen, zwar sind alle Personen frei erfunden, doch es fällt mir bei
solchen realen Geschichten immer schwer, Handlungen (die ja meistens wirklich
passiert sind!) zu kritisieren. Ich tue es in diesem Falle trotzdem: Sehr
schwer fand ich es, mich in Anne hineinzuversetzen. Nicht weil sie abnehmen
will – das will schließlich jedes Mädchen mal, sondern weil sie eine seltsame
Diät hält. Sie versucht so wenig wie möglich zu essen, doch wenn sie etwas
isst, sind es immer süße oder fettige Sachen! So kommt sie zum Beispiel von der
Schule zurück und fühlt sich richtig gut, weil sie einen Tag nichts gegessen
hat, hat jedoch Hunger und glaubt, sie hat eine Belohnung verdient. Statt sich
etwas Gemüse oder Obst zu gönnen nimmt sie ein großes Stück Torte. Oder sie
isst zu Abend eine kleine Portion Fritten. Erst relativ zum Ende des Buches
merkt sie überhaupt, dass man auch durch Sporttreiben abnehmen kann!
Ein weiterer Kritikpunkt trifft die Beziehung zwischen
Anne und ihrer (besten) Freundin Amaryllis. Diese bleibt nämlich sehr unklar.
Es gibt Stellen, an denen Anne ihre Freundin schrecklich beneidet und fast
schon hasst, und weitere Stellen, an denen Anne beteuert Amaryllis sei ihre
beste Freundin überhaupt. Sehr gewundert habe ich mich auch über Annes
Verhalten, als Amaryllis ihr „befiehlt“ nicht mehr mit einem Jungen zu sprechen
(welchen beide offensichtlich mögen). Anne stimmt ohne Protest zu – und dass,
obwohl der Junge sogar einer der Gründe für Annes Diät war!
Das Buch ist in Monate eingeteilt und es ist
bemerkenswert und gleichzeitig schmerzvoll, Annes körperlichen und seelischen
Zustand im Laufe der Diät mitzuerleben. Neue Ziele, neue Ängste, neue Tricks,
um vorzutäuschen, sie hätte schon gegessen. Neue Lügen, neuen Hass und manchmal
sogar Stolz auf ihren Körper.
Sprachlich konnte mich das Buch leider nicht sehr
überzeugen. Ich hätte mir mehr bildliche, umschreibende Beschreibungen
gewünscht, ein wenig mehr „show, don’t tell“.
Ich muss ehrlich gesagt zugeben, bis ich zu dem Teil, an
dem alles ernster wird, gekommen bin, war für das Buch eine sichtlich
schlechtere Bewertung geplant. Doch ab diesem Teil konnte ich plötzlich nicht
mehr aufhören zu lesen und danach saß ich sprachlos da. Ich habe wirklich nicht
gedacht, dass das Buch mich noch so mitnehmen würde. In diesem Teil bis zum
Ende kommen endlich mehr Emotionen vor, Annes Verzweiflung und Schmerz wird
richtig klar, man wird vom Lesen geschockt und bedrückt, während man
gleichzeitig noch hofft, alles würde sich zum Besseren wenden.
Im Endeffekt handelt es sich bei „Hunger nach weniger“ um
ein bemerkenswertes Buch, bei dem die Wahrheit des Begriffes „Magersucht“ auf erschreckende Weise klar
wird.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Zur Autorin
Jessica Antonis wurde in Leuwen/Belgien geboren. Schon
immer liebte sie das Schreiben. Ihre Mutter brachte sie auf die Idee, ihre
eigenen Erfahrungen mit der Magersucht in einem Buch zu verarbeiten. So
entstand „Hunger nach weniger“.
Allgemeine
Informationen
Seitenanzahl: 197
Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3800056514
Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Ich war am Anfang deiner Rezension ganz verwirrt, weil ich mich gefragt habe, warum das Buch so bemerkenswert sein soll, wenn du es gar nicht so toll fandst :D Aber eine schöne Rezi, nur das Buch selbst interessiert mich jetzt eher weniger...^^
ReplyDeleteauch wenn mich diese themen nicht so ansprechen finde ich deine rezesion sehr interessen geschrieben. gefällt mit sehr gut!
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