Monday, April 16, 2012

[Rezension] Mit Samenbomben die Welt verändern


Für Guerilla-Gärtner und alle, die es werden wollen

Samenbomben haben etwas Ungewisses an sich. Gerade diese Zufälligkeit fasziniert uns, das gespannte Abwarten, was aus dieser seltsamen kleinen Kugel heranwachsen wird – und ob es überhaupt funktioniert. Diese kleine Revolution, die ein Fleckchen Erde verändern kann, enthält die Vorstufe einer Blumenwiese, den Keim eines Gemüsegartens, die Anfänge eines Kräuterbeets.

Inhalt und Meinung
Früher fuhr Josie Jeffery mit ihrer Familie in einem Bus durchs Land, streute Samen und rettete Bäumchen vom Straßenrand. Ihren Willen, die Welt zu verschönern und zu verändern, erhält sie immer noch aufrecht. In diesem Buch teilt sie mit anderen ihre Idee der „Samenbomben“.
Ja, was sind das überhaupt, Samenbomben? Es sind Kügelchen geformt aus Erde, Ton und Samen, die man wegen ihrer praktischen Form überall deponieren kann: Zu Hause im Garten, im Schrebergarten, aber auch auf Ampelinseln, Gleisanlagen oder am Straßenrand. Ihre kleine Form, die gleichzeitig die Samen schützt, kann sogar dabei helfen, abgezäunte Industrieflächen zu verschönern, denn Samenbomben kann man guten Gewissens werfen, sofern keine anderen Menschen verletzt oder Dinge zu Bruch gehen können.
Neben allgemeinem Gartenwissen und dem umfangreichem Vorstellen der Samenbomben (unter anderem auch die Geschichte der Samenbomben) findet man in diesem Buch 13 verschiedene Rezepte für Samenbomben. So werden beispielerweise Kombinationen von Samen aufgezählt, die Bienen und Hummeln anlocken oder welche uns mit farbenfrohen Blumen beglücken. Darüber hinaus gibt es eine Liste von 41 verschiedenen Pflanzen, die für Samenbomben geeignet sind. Steckbriefartig wird nicht nur das Aussehen der Pflanzen beschrieben, sondern auch die Pflege, Schädlinge und Krankheiten, die die Pflanzen befallen können, die Verwendung in Küche und Hausapotheke und viel mehr. Manchmal sind sogar kleine Rezepte dabei, beispielsweise für Zitronenmelissenpesto oder Fencheltee! Besonders interessant finde ich auch die zusätzlichen Anmerkungen, die meist Risiken darstellen und Informationen darüber geben, wer die Einnahme dieser bestimmten Pflanzen (falls nicht giftig) meiden sollte. Sehr praktisch ist auch der Punkt Fruchreife“, der besagt, wann das Saatgut für die Samenbombe „geerntet“ werden kann.
Loben muss ich auf jeden Fall auch noch die wunderschöne Gestaltung dieses Buches. Das Design ist scrapbookartig mit wie es so scheint „ausgeschnittenen“ und „eingeklebten oder gehefteten“ Papierchen und Bildern.
Die Idee, Samenbomben herzustellen und zu verteilen, finde ich wunderschön. Vor allem wenn man in einer Großstadt lebt, werden einem die vielen kargen, grauen Stellen bewusst. Mit Samenbomben die ganze Welt zu verändern, ist wohl meiner Meinung etwas zu weit und übertrieben gefasst. Aber klein anfangen kann man, an Straßenrändern in seiner Stadt oder auf ungenutzen Grundstücken. Ein wichtiger Punkt, der in dem Buch angesprochen wird, ist auch die Gemeinschaft. Denn wenn auf diesen tristen, ungenutzten Grundstücken plötzlich Blumen sprießen, um die man sich kümmert, werden andere Menschen angelockt und wer weiß, vielleicht handelt es sich bei diesem ungenutzten Grundstück bald um einen Gemeinschaftsgarten?
Gut finde ich an diesem Buch auch, dass verschiedene Organisationen in Deutschland genannt werden, die das (nicht immer legale) Verschönern der Stadt durch sogenanntes „Guerilla-Gärtnern“ im Sinn haben. Ihnen kann man sich anschließen und abermals durch Gemeinschaft die Stadt verändern.
Der einzige Kritikpunkt trifft die Kapitel „Verbreitung der Früchte“ und „Saatgut ernten“. Vor allem das letztere genannte wäre mir umfangreicher und ausführlicher lieber gewesen. Ich hätte mich gefreut, wenn ein paar zusätzliche Bilder mir weitere Beispiele für Früchte hätten geben können.
Trotzdem ist „Mit Samenbomben die Welt verändern“ ein wunderbar hilfreiches, informatives und vor allem inspirierendes Buch. Danke dafür!

Bewertung (4/5)


Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
http://www.ulmer.de
http://www.bloggdeinbuch.de

1 comment:

  1. Das scheint ein interessantes Buch zu sein :) Vielleicht werde ich es mir zulegen.

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