Saturday, August 17, 2013

[Rezension] Wo die Liebe tötet


Keiner kann nachvollziehen, was ich durchmache. […]
Niemand weiß, was in mir wütet.
Ein vernichtendes Gefühl von Schuld. […]
Schmerz. […]
Erleichterung.
All das, vermischt mit der Gewissheit, dass
Trip niemals wiederkommen wird.


Klappentext
Die Nacht, in der ihr Freund Trip starb, ist für Allie wie ausgelöscht. Alles, was ihr geblieben ist, sind Narben, als ständige Erinnerung an ihn. Sie versucht das nagende Gefühl zu ignorieren, dass der Unfall vielleicht keiner war. Als die Polizei die Ermittlungen aufnimmt, wird Allie plötzlich zur Hauptverdächtigen. Und bald schon vermischen sich Allies Erinnerungen mit dem dunklen Geheimnis um Trip, das sie zu lange verborgen gehalten hat...


Meine Meinung
Mit „Wo die Liebe tötet“ ist Jennifer Shaw Wolf ein überzeugendes Debüt gelungen. Ich lese gerne Jugendthriller, obwohl mir schon oft aufgefallen ist, dass sich viele dem gleichem Schema bedienen: Ein Gewaltverbrechen geschieht. Die Hauptperson möchte dieses auf eigene Faust aufklären und kommt schließlich selber in Gefahr.
„Wo die Liebe tötet“ folgt diesem Schema nicht und wird deshalb umso origineller. Überhaupt ist „Wo die Liebe tötet“ ein sehr vielschichtiger Roman. Er handelt von dem „Unfall“, an welchen sich Allie Stück für Stück erinnern kann, von Allies Beziehung zu Trip, ihre Gefühle zu Blake, ihrem Kindheitsfreund, und ihre allgemeine Stellung in der Familie, Schule und der Stadt. Allie richtet sich viel nach anderen und hält sich so beispielsweise nach dem Unfall von Blake fern, um keine neuen Gerüchte zu schaffen. Im Laufe der Geschichte gewinnt sie jedoch dann langsam an Mut und stellt sich der Wahrheit und ihren wahren Gefühlen.
Meiner Meinung nach dreht sich das Buch aber vor allem um Schuld. Was das Buch besonders macht, ist, dass sich Allie schuldig fühlt – aber nicht weil sie anstelle ihres Freundes Trip überlebt hat – sondern weil sie erleichtert ist, dass er tot ist. Kurze Rückblicke im Laufe des Buches geben einen Einblick in die Beziehung des jungen Paares und zeichnen ein Bild eines kontrollierenden, launischen und auch misshandelnden Trip.
Schuld findet man aber nicht nur bei Allie, sondern auch bei Personen, die Allie nicht helfen konnten oder, die es nicht wollten und wegsahen. Randall und James, beides Freunde von Trip, waren dabei, als Trip Allie schlug – aber sie griffen nicht ein. Nach dem Unfall kann Randall Allie nicht mehr in die Augen schauen. James kämpft gegen die Schuld an, in dem er einen extremen Hass auf Allie projiziert.
Andrew, Allies Zwillingsbruder, habe ich besonders ins Herz geschlossen. Sein Charakter zeigt, dass eine Behinderung nichts zu bedeuten hat. Er ist sehr intelligent, einfühlsam und versteht Allie besser als jeder Andere.

Jedoch ist mir das Verhalten mancher Charaktere manchmal fraglich vorgekommen. Wieso sagt Andrew zum Beispiel nichts, als er erfährt, dass Trip Allie misshandelt, aber „petzt“ sofort, als er Allie mit Blake wegfahren sieht? Auch verstehe ich einen bestimmten Brandstifter nicht bzw. das Motiv, welches hinter der Brandstiftung steckt (aus Spoilergründen werde ich darauf nicht genauer eingehen).
Unlogisch finde ich auch, dass eine Schachtel mitsamt Inhalt, die Allie eine Klippe hinunter ins Meer geworfen hat, später wieder nahezu unversehrt auftaucht. Es scheint ebenso wie ein großer Zufall, dass genau diese Schachtel zum Strand zurückgeschwemmt wurde, während ein Autowrack und eine Leiche nach wie vor verschwunden bleiben.
Diese Unklarheiten haben mich zum stutzen gebracht, meine Meinung von dem Buch aber nicht allzu sehr beeinträchtigt.
Ich finde es sehr interessant, wie verschieden die Charaktere sind. Beim Lesen hatte ich immer wieder neue Theorien über den Unfall, die ich dann wieder verworfen habe. Und trotz meinen verschiedenen Theorien blieb das Buch für mich spannend bis zur letzten Seite.



Fazit: Ein vielschichtiger und packender Jugendthriller!

Bewertung (4,5/5)

  
Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares! 

http://www.kosmos.de/
 

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