Monday, December 16, 2013

[Kurzrezi] Der Duft des Regens


Maggie und ihre Schwester Jenny haben eine wunderbare Kindheit. Zusammen mit ihren Eltern leben sie in einfachen Verhältnissen in den kanadischen Wäldern und verbringen die meiste Zeit in der Natur. Sie gehen campen, am See schwimmen, sammeln Beeren und genießen die Sonne. Vor allem Maggie streift gerne mit ihrem Vater umher und baut mit ihm im Wald Unterschlüpfe. Doch dann stirbt der Vater plötzlich – und alles ändert sich. Die Mutter zieht mit ihren beiden Töchtern weg, bringt sie zu Bekannten in einer Stadt und lässt die beiden schließlich dort zurück.

Durch den Klappentext und die ersten Seiten ist schon klar, dass die Mutter, Irene, ihre Tochter zurücklassen wird. Für mich war deshalb beim Lesen über das sorglose Leben der Mädchen am Anfang ein bittersüßer Geschmack dabei. Einem wird beim Lesen von den glücklichen Beschreibungen ganz warm, doch man weiß, wie sehr sich alles ändern wird und wie wenig Maggie und Jenny am Anfang davon wissen.
Sehr gefallen haben mir am Anfang die Naturbeschreibungen. Durch Frances Greenslades Sprache wirkt alles real. Obwohl viel beschrieben wird, wird dies auch nicht langweilig oder zu viel. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir auch eine Szene, in der Realität und Traum sich vermischen und Maggie nach dem Tod ihres Vaters alleine in den Wald geht und sie von einem „Zweigenmädchen“ träumt.

In der Stadt wachsen die Mädchen ohne ihre Mutter weiter auf, machen unterschiedliche Erfahrungen und erleben Verschiedenes. Schließlich macht sich Maggie auf die Suche nach ihrer Mutter. Dies passiert aber eigentlich erst recht spät, der Klappentext leitet einen etwas in die Irre. Zwar ist das Thema der Mutter immer im Hintergrund, die richtige Suche erfolgt aber erst am Ende.
Die Handlung davor hat mir trotzdem gefallen. Sie ist oft traurig, denn Maggie und Jenny bekommen noch einige Schicksalsschläge ab. Dauernd fragt man sich, was eine Mutter dazu bringt, ihre Kinder zurückzulassen. Man hofft mit den Mädchen auf eine Nachricht der Mutter und ist mit ihnen enttäuscht. Ein paar Mal werden kleine Hinweise eingeworfen, warum es hätte passieren können, die „Auflösung“ kommt jedoch erst ganz am Schluss.
Die Handlung dieses Buches ist aber keineswegs nur traurig. Neben den kleinen Hoffnungsschimmern gibt es noch schöne Momente, in denen zum Beispiel der Zusammenhalt der Schwestern gezeigt wird oder Maggie neue Freunde findet, die sich wirklich um sie kümmern. Onkel Vern ist ein Charakter, den nicht nur Maggie, sondern auch ich sehr ins Herz geschlossen habe. Für mich ist er so etwas wie eine Personifikation des Guten, wie seltsam dies auch klingen mag.

„Der Duft des Regens“ ist ein schönes und ein trauriges Buch, welches ich auf der Suche nach dem großen „Warum“ schnell durchgelesen habe. Es hat wunderschöne Beschreibungen und vielfältige Charaktere, trotzdem finde ich es nicht so besonders, dass es mir lang im Kopf bleiben wird. Ich mag Bücher, die mich zum Nachdenken bringen, die mich aufrütteln – bei diesem Buch war es leider nur ein kleines Stupsen, da das Thema der verschwundenen Mutter so lange im Hintergrund bleibt.

------------------------------------------------------------
Das Buch habe ich bei einer Leserunde auf "lovelybooks" gewonnen! :)
Ihr könnt mich dort gerne als Freund hinzufügen:
http://www.lovelybooks.de/mitglied/chulabohne/

No comments:

Post a Comment