Friday, December 19, 2014

[Rezension] Untreue



„Es lohnt sich immer, für eine Liebe zu kämpfen, selbst wenn sie nicht erwidert wird.
Es mag nicht besonders lustig sein. Es mag in unseren Herzen tiefe Wunden hinterlassen. Dennoch lohnt es sich, zumal für jemanden wie mich, die Angst hat, Risiken einzugehen, und jegliche Form der Veränderung scheut, wenn sie sie nicht unter Kontrolle hat.
Ich werde kein Gefühl mehr unterdrücken. Diese Herausforderung rettet mich.“



Klappentext:

Jung, attraktiv, erfolgreich – und todunglücklich. Linda versteht sich selbst nicht mehr. Müde und lustlos schleppt sie sich durch ihr Leben.
Dabei hat sie vieles, was es zum Glücklichsein braucht: eine gesicherte Existenz, einen wunderbaren Ehemann, süße Kinder, einen spannenden Beruf. Doch sie spürt keine Begeisterung, und es fällt ihr immer schwerer, Fröhlichkeit vorzutäuschen. Sie beginnt von einem anderen Leben zu träumen. Durch die Begegnung mit einem alten Jugendfreund gerät Linda in einen Strudel der Leidenschaft, der sie alles riskieren und in die Abgründe ihrer Seele blicken lässt. Muss man manchmal untreu sein, um sich selbst wieder treu zu werden?


Meine Meinung:

Ich habe schon viele Bücher von Paulo Coelho gelesen – meine Favoriten sind „Der Alchimist“ und „Aleph“ – und ich liebe seinen Schreibstil.
Coelho wirft in seinen Büchern oft philosophische oder existentielle Fragen auf und bis jetzt fühlte ich mich nach dem Lesen immer etwas „weiser“ als vorher.

Auf „Untreue“ war ich sehr gespannt. Ein Buch, das den Titel einer gesellschaftlich verpönten Aktion trägt – was sollte sich dahinter verstecken? Außerdem muss ich zugeben, dass ich ein „Fan“ von Paulo Coelho auf Facebook bin und in den letzten Monaten viele begeisterte Meinungen zu dem Buch auf der Seite gelesen habe.
Leider muss ich jedoch sagen, dass das Buch mich enttäuscht hat.

Es fängt vielversprechend an: Mit Linda, einer interessanten Persönlichkeit. Sie führt ein gutes Leben, ist Journalistin, hat einen verständnisvollen, lieben Mann und Kinder und ist trotzdem nicht glücklich. Sie fühlt sich schuldig dafür und glaubt als erstes sie leide unter Depressionen, schließlich kann sie keinen Grund finden, warum sie so unglücklich ist. Mit ihr kann sich vielleicht der ein oder andere Leser gut identifizieren. Manchmal hat man selbst so ähnliche Momente, in denen man sich lustlos fühlt, aber nicht weiß, warum. In denen die Monotonie des Alltags das Leben übernommen hat und nichts mehr Neues oder Spannendes passiert.
Linda „löst“ dieses Problem, indem sie eine Affäre mit einem ehemaligen Freund anfängt. Das bringt natürlich einen großen inneren Konflikt für Linda mit sich: Sie fühlt sich ihrem Mann gegenüber schuldig, genießt jedoch die Zeit mit ihrer Affäre sehr und ist endlich wieder „lebendig“.
Dann fängt das Buch jedoch an, mich zu enttäuschen. Es passiert nicht mehr viel und die Kapitel sind zäh zu lesen. Je weiter die Geschichte fortfährt, desto weniger Sympathie empfand ich außerdem für Linda und das gar nicht so sehr wegen der Affäre, sondern von ihrem Charakter und ihren Gedanken. Ich hatte das Gefühl, sie weiß nicht wirklich, was sie will, probiert ein bisschen was, und schaut dann, ob es klappt.
Ich habe wirklich etwas mehr hinter „Untreue“ erwartet und war am Ende dann erstaunt, dass das schon alles war. Während sich die Kapitel in der Mitte stark gezogen haben, war das Ende ziemlich abrupt und schnell. Kurz davor kam ein bisschen Spannung auf, jedoch leider nur sehr minimale.
Ab und zu sind dann noch ein paar philosophische Gedanken über die Liebe, das Leben, Leidenschaft und Glauben eingebaut – sie scheinen aber manchmal gezwungen oder fehl am Platz. „Elf Minuten“ von Coelho hat ähnliche Themen, die aber viel besser umgesetzt sind. „Elf Minuten“ ist packend, manchmal aufrüttelnd und interessant – obwohl das Hauptthema Sex ist. Auch in „Untreue“ kommen oft Sexszenen vor. Diese finde ich aber im Gegensatz zu denen in „Elf Minuten“ eher abstoßend, und das nicht, weil Linda eine außereheliche Beziehung hat (in „Elf Minuten“ spielen sich viele Sexszenen mit einer Prostituierten ab), sondern weil das Gesamtpaket einfach nicht stimmt. Es kommt mir vor, als gelange man über Lindas Gedanken immer wieder zur nächsten Sexszene, es fehlt einfach zu  viel von der Geschichte.
Am Ende weiß ich nicht, was ich aus diesem Buch mitnehmen soll, was ich sehr schade finde.



Fazit:

Meiner Meinung nach leider das schlechteste Buch von Paulo Coelho. Gute Grundidee, nach wie vor schöner Schreibstil, aber verwirrende, orientierungslos-scheinende Umsetzung. 

Bewertung (2,5/5):

 

 Hier könnt ihr das Buch bestellen, wenn ihr wollt:

http://www.kohlibri.de/xtcommerce/product_info.php/products_id/668088

  
Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! 

 
http://www.bloggdeinbuch.de
 
 
http://www.diogenes.ch/

2 comments:

  1. Oh, ich mag ihn eigentlich auch sehr gerne. Aber das klingt ja mal gar nicht gut! =)

    Allerliebste Grüße,
    HOLYKATTA

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  2. Ja, das ist definitiv das schlechteste Buch von Coelho! Ich hab ihn früher so gern gelesen und das hat es mir voll vermiest.
    Ich war auch sehr enttäuscht, vielleicht ist meine Bewertung nur wegen der hohen Erwartung so schlecht ausgefallen...

    LG

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