Was für eine irre Welt, dachte er, und blickte dabei in den Rückspiegel, um
seine eisblauen Augen zu sehen und sich seiner selbst zu vergewissern. Eine
Welt, die nur im Gehirn und durch die fünf Sinne existierte. Ein einziges
kurzes Leben, bei dem man sein ganzes Erleben von einem grauen Klumpen
vorgegaukelt bekam. Und er würde bald der Obergaukler sein, der größte Gaukler
der Welt und aller Zeiten. Der Gott-Gaukler.
Existiert Gott oder ist er nur eine Erfindung des
Gehirns? – Diese große Frage ist das Hauptthema und zieht sich durch die ganze
Geschichte.
Wir betrachten dabei drei Personen, die unterschiedlicher
nicht sein können.
Daniel Meckel, Professor für Epileptologie, der davon
überzeugt ist, dass Gott nur eine Wahnvorstellung des Gehirns ist und an einem
Gottes-Algorithmus forscht – eine bestimmte Abfolge von Frequenzen, die das
Gehirn an richtiger Stelle so stimulieren können, dass sich die versuchten
Personen Gott plötzlich sehr nah fühlen. Er ist sehr ehrgeizig, angesehen in
seinem Forschungsbereich, scheint aber, je näher er seinem Ziel kommt, immer
mehr die Kontrolle zu verlieren.
Sympathischer kommt einem sofort Anna rüber, Daniels
Schwester, eine Pianistin, gottesfürchtig, vor allem nach einem Nahtoderlebnis,
mit einem geringen Selbstwertgefühl, aber trotzdem romantischen Träumen.
Stoller ist sozusagen die Hauptperson des Buches. Am
Anfang noch überzeugter Atheist widerfährt ihm am Abend nach seiner ersten
Begegnung mit Anna ein unbeschreibliches Erlebnis, das seine Sicht auf einen
Gott sofort verändert.
Stoller macht sich auf die Suche, nach Gott, nach der
Wahrheit, nach seiner Mission und wünscht sich gleichzeitig Anna näherzukommen.
Das große Thema, von dem dieses Buch handelt, und das
Vergleichen, aber auch Vermischung und Verknüpfung von Religion und
Wissenschaft, ist wirklich sehr interessant. Wenn man selbst gläubig ist, hat
man sich die Frage „Gibt es Gott?“
sicherlich schon mindestens einmal gestellt, und wenn man sich gleichzeitig für
Wissenschaft interessiert, so ist dieses Buch wie für einen geschaffen.
Zusammen mit Stoller kommt man der Religion näher,
verschiedensten Schriften und Themen aus der Mystik. Genauso erfährt man aber
auch mehr über die Funktionsweise des Gehirns, das auf elektrischer
Frequenzabfolge unterschiedlicher Neuronenverbände beruht. Einiges erschreckt
einem im Buch, z.B. die Idee, die angesprochen wird, andere Menschen mit
bestimmten Wellenlängen zu beeinflussen – oder sogar richtig lenken. Eine
Frage, die ebenfalls behandelt wird, ist dabei „Wie weit darf die Wissenschaft
gehen?“.
Die Auseinandersetzung mit Religion und Wissenschaft hat
mir vor allem als Medizinstudentin sehr gefallen. Während in manchen Büchern
mit unrealistischem Halbwissen umhergeworfen wird, klingen die Hirnerklärungen
und auch die (noch nicht entwickelten) neuen Forschungen sehr realistisch und
gut verständlich.
Auch die Liebe kommt im Buch nicht zu kurz, denn auch
Anna empfindet sofort etwas für ihren neuen Nachbarn Stoller, als sie ihn zum
ersten Mal trifft.
Es ist schön zu lesen, wie sie in typisch verliebter
Manier, manchmal überaus Unerwartetes tut und sich im nächsten Moment allein in
ihrer Wohnung wieder wie ein junges Mädchen darüber ärgert – trotzdem aber
nicht aufhören kann, an ihn zu denken.
Die Nebenfiguren, die fast alle sehr kurz vorkommen, sind
ebenfalls gut ausgearbeitet, und sind wie man manchmal erst später erfährt,
teilweise wichtiger als gedacht.
Einzig nicht gefallen, hat mir eine bestimmte Szene, in
dem Stoller mit Jemand Teufelartigem konfrontiert wird. Diese konnte ich
schwierig in den Gesamtzusammenhang einordnen. Die „Auflösung“ nach dieser
Szene war zwar gut, trotzdem konnte ich mir die Konfrontation nicht wirklich
erklären – was aber vielleicht auch gewollt war.
Insgesamt eine sehr interessante, gut zu lesende und
spannende Lektüre! Sehr zu empfehlen!
Danke übrigens an Mike Engel für die persönliche Widmung! :) Passend zum Buch sollte man in seinem Namen eigentlich auch eine Symbolik suchen. ;)
Bewertung (5/5):
Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
und

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