Saturday, May 7, 2016

[Rezension] E.D.E.N.



Was für eine irre Welt, dachte er, und blickte dabei in den Rückspiegel, um seine eisblauen Augen zu sehen und sich seiner selbst zu vergewissern. Eine Welt, die nur im Gehirn und durch die fünf Sinne existierte. Ein einziges kurzes Leben, bei dem man sein ganzes Erleben von einem grauen Klumpen vorgegaukelt bekam. Und er würde bald der Obergaukler sein, der größte Gaukler der Welt und aller Zeiten. Der Gott-Gaukler.


Existiert Gott oder ist er nur eine Erfindung des Gehirns? – Diese große Frage ist das Hauptthema und zieht sich durch die ganze Geschichte.
Wir betrachten dabei drei Personen, die unterschiedlicher nicht sein können.
Daniel Meckel, Professor für Epileptologie, der davon überzeugt ist, dass Gott nur eine Wahnvorstellung des Gehirns ist und an einem Gottes-Algorithmus forscht – eine bestimmte Abfolge von Frequenzen, die das Gehirn an richtiger Stelle so stimulieren können, dass sich die versuchten Personen Gott plötzlich sehr nah fühlen. Er ist sehr ehrgeizig, angesehen in seinem Forschungsbereich, scheint aber, je näher er seinem Ziel kommt, immer mehr die Kontrolle zu verlieren.
Sympathischer kommt einem sofort Anna rüber, Daniels Schwester, eine Pianistin, gottesfürchtig, vor allem nach einem Nahtoderlebnis, mit einem geringen Selbstwertgefühl, aber trotzdem romantischen Träumen.
Stoller ist sozusagen die Hauptperson des Buches. Am Anfang noch überzeugter Atheist widerfährt ihm am Abend nach seiner ersten Begegnung mit Anna ein unbeschreibliches Erlebnis, das seine Sicht auf einen Gott sofort verändert.
Stoller macht sich auf die Suche, nach Gott, nach der Wahrheit, nach seiner Mission und wünscht sich gleichzeitig Anna näherzukommen.
Das große Thema, von dem dieses Buch handelt, und das Vergleichen, aber auch Vermischung und Verknüpfung von Religion und Wissenschaft, ist wirklich sehr interessant. Wenn man selbst gläubig ist, hat man sich die Frage „Gibt es  Gott?“ sicherlich schon mindestens einmal gestellt, und wenn man sich gleichzeitig für Wissenschaft interessiert, so ist dieses Buch wie für einen geschaffen.
Zusammen mit Stoller kommt man der Religion näher, verschiedensten Schriften und Themen aus der Mystik. Genauso erfährt man aber auch mehr über die Funktionsweise des Gehirns, das auf elektrischer Frequenzabfolge unterschiedlicher Neuronenverbände beruht. Einiges erschreckt einem im Buch, z.B. die Idee, die angesprochen wird, andere Menschen mit bestimmten Wellenlängen zu beeinflussen – oder sogar richtig lenken. Eine Frage, die ebenfalls behandelt wird, ist dabei „Wie weit darf die Wissenschaft gehen?“.
Die Auseinandersetzung mit Religion und Wissenschaft hat mir vor allem als Medizinstudentin sehr gefallen. Während in manchen Büchern mit unrealistischem Halbwissen umhergeworfen wird, klingen die Hirnerklärungen und auch die (noch nicht entwickelten) neuen Forschungen sehr realistisch und gut verständlich.
Auch die Liebe kommt im Buch nicht zu kurz, denn auch Anna empfindet sofort etwas für ihren neuen Nachbarn Stoller, als sie ihn zum ersten Mal trifft.
Es ist schön zu lesen, wie sie in typisch verliebter Manier, manchmal überaus Unerwartetes tut und sich im nächsten Moment allein in ihrer Wohnung wieder wie ein junges Mädchen darüber ärgert – trotzdem aber nicht aufhören kann, an ihn zu denken.
Die Nebenfiguren, die fast alle sehr kurz vorkommen, sind ebenfalls gut ausgearbeitet, und sind wie man manchmal erst später erfährt, teilweise wichtiger als gedacht.
Einzig nicht gefallen, hat mir eine bestimmte Szene, in dem Stoller mit Jemand Teufelartigem konfrontiert wird. Diese konnte ich schwierig in den Gesamtzusammenhang einordnen. Die „Auflösung“ nach dieser Szene war zwar gut, trotzdem konnte ich mir die Konfrontation nicht wirklich erklären – was aber vielleicht auch gewollt war.

Insgesamt eine sehr interessante, gut zu lesende und spannende Lektüre! Sehr zu empfehlen!
Danke übrigens an Mike Engel für die persönliche Widmung! :) Passend zum Buch sollte man in seinem Namen eigentlich auch eine Symbolik suchen. ;)

Bewertung (5/5):
 
Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!


und 



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