Sunday, July 3, 2011

[Rezension] Denn das Glück ist eine Reise


„Ich gratuliere Ihnen. Sie haben sich für das Leben entschieden! Schluss mit der Diktatur des Körpers, der schlapp macht, mit den Ärzten, die uns Spritzen geben, und dem Alltag, der uns unter sich begräbt. Man muss sich dagegen auf-leh-nen. Und am letzten Tag, am letzten Tag muss man wissen, wie man in Würde abtritt.“

Inhalt:
Was ist dem 83-Jährigen Georges Nicoleau vom Leben geblieben? Sein Fernseher, Kräutertee, Gespräche mit Charles, seinem Nachbarn, eine überfürsorgliche Tochter und eine Enkelin, die jedes Jahr nur die obligatorischen Neujahrsgrüße schickt. Doch dann ändert sich alles schlagartig: Als seine Tochter Françoise für zwei Monate nach Peru fährt, packen die beiden Nachbarn die Gelegenheit am Schopfe und erfüllen sich damit einen Traum. Die Tour de France nachzufahren – mit einem Auto. Aber Enkelin Adèle erfährt davon und lässt die zwei alten Männer ihr Ding nur machen, wenn Georges ihr jeden Tag mindestens eine SMS schreibt. Georges stimmt zu und auch Adèle erlebt schon bald die Reise mit Crêpe, Meeresrauschen und Cidre mit und sieht dadurch ihren Großvater mal mit ganz anderen Augen.

Meinung:
Das Buch ist ein wunderschön ruhiges, das für jeden Frankreichurlaub ein Muss sein sollte. Caroline Vermalle schafft es, den Leser mit auf eine Reise zu nehmen, die nicht nur aus bloßen Worten, sondern aus wahrhaftigen Orten besteht. Ihre Sprache ist so lebendig und bringt uns die Schönheit Frankreichs (vor allem die der Bretagne!) so nah, dass ich beim Lesen schon bald meine Zweifel, dass solch eine Reisebeschreibung wohl irgendwann langweilig werden würde, zur Seite legen musste.

Auch die Charaktere waren wunderschön gewählt und ich denke jeder kann sich in irgendeiner Weise mit einem von ihnen identifizieren. Vielleicht mit Georges, der endlich mal aus seinem immer gleichbleibenden Leben ausbrechen will – und zwar bevor es zu spät ist. Vielleicht mit Adèle, die sich viel zu lange nicht mehr um ihren alten Großvater gekümmert hat, dies aber dann bereut. Oder sogar mit Françoise, die ihren Vater so liebt, dass sie ihn vor Angst „in Watte packt“. 

Im Laufe der Geschichte werden die Nachbarn zu Freunde und lernen sich richtig kennen. Aber es wird auch klar, dass diese Reise für beide nicht (nur) ein Jugendtraum ist, sondern ganz unterschiedliche Gründe hat. Aber auch die Begegnung darf man nicht vergessen zu nennen. Nicht nur neue Orte, auch neue Gesichter und Menschen lernen sie kennen. Vor allem für Georges hat dies eine große Bedeutung, denn nachdem er Charles Schwester Ginette trifft, fühlt er sich wieder wie bei seiner ersten Liebe. 

Auf der Seite des Lübbe-Verlags findet man „Denn das Glück ist eine Reise“ unter den Frauenromanen. Das finde ich totalen Quatsch. „Denn das Glück ist eine Reise“ ist ein Buch für Jedermann und für jedes Alter – und soll uns junge Leute vielleicht wachrütteln und uns auffordern, mal wieder bei unseren alten Großeltern anzurufen!
Das Buch verdient von mir 5 von 5 Sternen.

 
Zur Autorin:
Caroline Vermalle 1937 in Frankreich geboren. Sie studierte Filmwissenschaften und drehte danach Dokumentarfilme für die BBC in London. Mittlerweile lebt sie in Paris. Sie wurde mit dem Preis nouveau talent 2009 ausgezeichnet.

Allgemeines:
Originaltitel: L’avant dernière chance
Seitenanzahl: 224
Verlag: Lübbe-Verlag



Ich danke dem Lübbe-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares über Blogg dein Buch

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