Was hatte es mit diesen Gegenständen auf sich? Warum waren sie Vater so wertvoll erschienen, dass er sie in seinem Stiefel versteckt hatte? Wurde sie allmählich verrückt oder bewegten sich die Schriftzeichen auf der Scheibe wirklich? Ihr blieb das Herz stehen. Die Zeichen veränderten sich. Sie ergaben ein Wort, das magische Wort. Deadline 24 stand da.
Inhalt
Ihr ganzes Leben lang hat die 14-Jährige Sally den Himmel noch nie ohne Kuppelgitter gesehen. Ihre Familie lebt wie andere Farmer unter einer riesigen Stahlkuppel, die sie am Tag vor mörderischen Kreaturen, den Hybriden, schützt. Doch als eines Tages ein seltsamer Hubschrauber auftaucht, beschließt Sallys Bruder Paul, der sich unter der Kuppel wie in einem Käfig fühlt, mit der Crew zusammen abzuhauen. Angeblich gehört der Hubschrauber aber den „Lords“, welche nun Jagd auf ihn machen. Sally muss Paul retten und die einzige Möglichkeit dazu, ist auch die Kuppel zu verlassen. Zusammen mit zwei Freundinnen macht sie sich auf den gefährlichen Weg, Paul und die Crew zu finden, und stößt dabei nicht nur immer wieder auf die Worte „Deadline 24“, sondern auch auf den mysteriösen Windmann …Meine Meinung
Die Welt, in der Sally lebt, ist schon lange nicht mehr, was sie mal war. Am Tag ist es lebensgefährlich draußen herumzustreunen, denn die Hybride machen sofort Jagd auf einen. Die Beschreibungen dieser neuen Welt haben mir gut gefallen. Beim Lesen merkt man sofort, wie trostlos, monoton und geradezu langweilig das jedoch sichere Leben auf den Kuppelfarmen ist. Jeden Tag werden die gleichen Arbeiten verrichtet. Die Kuppel wird nach kaputten Stellen untersucht, diese werden ausgebessert … Kontakt zu anderen Farmern gibt es nur selten und zwar dann, wenn das Funkgerät mal funktioniert.
Am Anfang hat es mich noch ein wenig gestört, dass so viele neue Begriffe und Geräte aufgetaucht sind, die man in dieser Welt nicht kennt, und dass die Bewohner nicht wissen woher sie kommen. Sie wissen einfach nur, dass sie schon immer da waren. Beispiele dafür sind die Kuppeln oder die Schweber. Später, fast am Ende, wird jedoch endlich klar, woher diese Dinge kommen.
Sally ist ein sehr starker Charakter, der mir zwar am Anfang leicht nachtragend, später jedoch sehr sympathisch vorgekommen ist. Für ihre 14 Jahre scheint sie sogar ziemlich reif, das Leben auf der Farm hat sie wahrscheinlich schnell selbstständig gemacht. Dazu hat sie einen starken Willen, den sie gerne durchsetzt, sie kümmert sich aber auch um andere. Ob um ihren kranken Großvater, ihre blinde Mutter oder zwei alte Frauen und ein kleines Mädchen, die als „Hybridenfutter“ dienen sollen, Sally ist auf keinen Fall egoistisch und nur um ihr Wohl bemüht.
Sehr mysteriös fand ich den Windmann, den am Anfang nur Sallys Mutter hören kann. Später hört und sieht Sally ihn auch. Ist er ein Gespenst? Eine Vision? Was hat es mit diesem Windmann auf sich und ist er „gut“ oder „falsch“? Kann Sally ihm vertrauen? Mehrere dieser Fragen stellt man sich, genauso wie Sally, im Verlaufe der Geschichte.
Im Buch gibt es viele verschiedene überraschende Wendungen und ständig passiert etwas Neues. Allerdings nimmt die manchmal einsetzende auktoriale Erzählweise Spannung weg. Ein Beispiel dafür ist dieser Satz „Sie schauten sich nicht um, sonst hätten sie dort, wo der Schutt sich häufte, ein riesiges, metallenes Monster gesehen, ein gepanzertes Kettenfahrzeug“. Schon vorher wird bekannt, dass die Lords solche Kettenfahrzeuge benutzen. Kurz nach diesem Satz rütteln die Mädchen an einer verschlossenen Tür, und werden danach von den Lords „überrascht“.
Auf dem ersten Blick scheint „Deadline 24“ wie keine besondere Dystopie. Doch später wird einem bewusst, was für eine originelle Idee hinter dem ganzen steckt.
Spannung ist von Anfang an dabei und immer wieder und wieder kommen die Worte „Deadline 24“ auf. Doch wie der Leser hat Sally keinen Schimmer von dessen Bedeutung. Die Auflösung und das Ende allgemein haben mich sehr überrascht – auf so eine Idee wäre ich vorher nie gekommen! Was ich jedoch ein wenig schade fand, ist, dass die Auflösung nicht Stück für Stück kam und Sally sie sich zum Beispiel selber erarbeiten musste. Stattdessen wurde die ganze Auflösung in einem Kapitel „erzählt“.
Für eine originelle Geschichte mit ein paar kleinen Schwächen gibt es gut verdiente 4 von 5 Sternen.
Zur Autorin:
Annette John wurde 1951 in Saarbrücken geboren. Sie studierte als erstes Germanistik und Romanistik und arbeitete dann in verschiedenen Berufen. „Deadline 24“ ist ihr zweiter Roman.
Allgemeines:
Seitenanzahl: 374
Verlag: Beltz und Gelberg
Bestellen kannst du hier: http://www.beltz.de/de/verlagsgruppe-beltz/gesamtprogramm/titel/deadline-24.html
Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!
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