Monday, September 5, 2011

[Rezension] Die toten Gassen von Barcelona


Mehr als das. Mir gefriert das Blut in den Adern.

Ich starre dieses zarte Mädchen aus Stein an und denke, das darf nicht wahr sein. Ich taumle aus der Kirche in den angebrochenen Abend und weiß nur noch eins: Ich muss sofort Quim finden.

Inhalt
Nach 36 Jahren ist es endlich soweit: Anna Silber reist nach Barcelona, in die Geburtsstadt ihrer Mutter. Hier soll sie einen Reiseführer schreiben. Doch dann liegt eine Leiche vor der Wohnung und Quim, der Freund von Annas Freund, muss sieben Mordfälle aufklären. Anna sieht in den vielen Morden sofort ein verzwicktes Puzzle, welches aber auf jeden Fall ein Bild ergeben kann. Doch wer ermordet kaltblütig sieben unterschiedliche Menschen? Wo liegt das Muster? Was sollen die Gegenstände bedeuten, die bei manchen Leichen dagelassen wurden? Und was hat das Ganze mit der Heiligen Eulàlia zu tun?

Meinung
Ganz als erstes möchte ich das Cover loben. Es zeigt eine Heiligenstatue, ohne das Buch zu kennen denkt man, es wäre vielleicht eine Marienstatue, doch es handelt sich um die Heilige Eulàlia, Schutzpatronin der Stadt Barcelona. Diese spielt in der Geschichte eine noch größere Rolle, als man sich überhaupt vorstellen kann. Der Hintergrund ist schwarz gehalten, was dem Ganzen eine bedrohliche Atmosphäre gibt. Ein wirklich gelungenes Cover für diesen Krimi.
Am Anfang bin ich jedoch nicht ganz in die Geschichte hineingekommen. Anna reist nach Barcelona, fährt mit ihrem Freund bzw. ihrem Bekannten Raphael zu ihrer Wohnung und begegnet einem Toten. Dann passiert für eine Weile erst einmal nicht viel Spannendes. Sie geht mit Raphael schwimmen, hört sich Gemecker über dessen Freund Quim an, durchstreift Barcelona und geht oft essen. Ehrlich gesagt wird es erst ab Seite 80 interessant und spannender. Hätte man den Teil davor ein wenig gekürzt oder noch ein, zwei spannende Details eingebracht, hätte mit das besser gefallen.
Insgesamt ist das Buch aber trotzdem gut aufgebaut. Meistens erzählt Anna die Geschichte, doch ab und zu gibt es kleine kursive Teile mit einer interessanten Überschrift. Diese Teile stammen vom Mörder, was man schon früh erahnen kann. Dieser pflegt seine kranke, herrische Mutter. Die Morde führt er in diesen Teilen jedoch nicht aus und auch das Motiv erfährt man noch nicht. Als erstes scheinen die kursiven Teile verwirrend, vor allem weil der Mörder oft mehrere Dinge auf einmal denkt. Liest man jedoch nach Beenden des Buches all diese Teile nochmal durch, werden die kleinsten Details und Hinweise, die Stefanie Kremser gestreut hat, klar. Dies ist ein Aspekt des Buches, der mir sehr gefallen hat. Als positiv habe ich auch das Ende empfunden. Dass der „Böse“ am Ende festgenommen wird, ist typisch für die meisten Krimis. Meistens liegt aber auch ein ziemlich abruptes Ende vor. Dieses hat bei „Die toten Gassen von Barcelona“ glücklicherweise gefehlt. Es gab ein ruhiges, abrundendes und sogar etwas trauriges und melancholisches Ende, welches ich als passenden und gut gelungenen Abschluss empfinde.
Gefehlt hat mir jedoch, dass auch am Ende immer noch nicht die Psyche des Mörders klar wurde. Sie wurde kurz beleuchtet, das war es aber. Ich hätte mir ebenso mehr Beschreibungen des Verhältnisses zwischen seiner Mutter und ihm gewünscht. Außerdem wurde mir eine Stelle auch nach Beenden des Buches nicht klar. Der Mörder bricht dabei in Annas Haus ein und hinterlässt ein Bildchen der Heiligen Eulàlia. Dadurch verrät er selber, dass die Morde etwas mit dieser Heiligen zu tun haben. Warum tut er das? Davor hat die Polizei keine Zusammenhänge zwischen den Morden finden können, aber jetzt?

Ein Krimi, der mich leider nicht ganz überzeugen konnte. Er kommt schwer in die Gänge und leider bleibt die Beschreibung der Psyche des Mörders oberflächlich. Doch wegen des guten Aufbaus und der vielen, kleinen Details und Hinweisen, die man erst später deuten kann, gibt es 3,5 von 5 Sternen.
 

Zur Autorin
Stefanie Kremser wurde 1967 in Düsseldorf geboren. Sie wuchs in Sao Paulo, Brasilien auf. In Deutschland studierte sie Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik in München. Für den „Tatort“ hat sie mehrere Drehbücher verfasst.

Allgemeines
Seitenanzahl: 246
Verlag: Kiepenheuer und Witsch
ISBN: 978-3462043259


Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

 

3 comments:

  1. Liebe Lotti, vielen Dank für deine Rezension! Vor allem freut mich, dass du die verstreuten Hinweise bemerkt hast... Weiterhin viel Spaß am Lesen und Bloggen - und herzliche Grüße von Barcelona nach Singapur.
    S.Kremser (alias Rita G.G., stillgelegter Blogname)

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  2. Oh, ein Kommentar von der Autorin! *.* Vielen Dank :)

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  3. Hmm, klang ziemlich gut das Buch, aber sooo wahnsinnig begeistert warst du ja jetzt auch nicht, daher setze ich das erstmal nicht auf meine Wunschliste^^

    Hier ein Award für dich! http://back-down-to-earth.blogspot.com/2011/09/award-7.html

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